Familienfreundlichkeit? Nicht in Linden

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Haupt- und Finanzausschuss lehnt SPD-Antrag auf zweite Ferienspielwoche ab

2012 vor seiner ersten Wahl zum Bürgermeister hat der aktuelle Amtsinhaber angekündigt, Linden zu einer der familienfreundlichsten Städte Hessens machen zu wollen. Fehlende Kita-Plätze, ein verschleppter Kita-Neubau, der ebenfalls von der Stadt verzögerte Bau einer Schulsporthalle, Querelen mit dem Dekanat wegen des Evangelischen Kindergartens in Leihgestern und dem Waldkindergarten in Großen-Linden, der vor allem personelle Schleuderkurs des städtischen Waldkindergartens in Leihgestern, sowie der zögerliche und letztlich missglückte Versuch, eine Bauernhofkita umzusetzen zeugen davon, dass der Bürgermeister hierbei mehr als nur knapp gescheitert ist.

In familienfreundlichen Kommunen Hessens sind die Ferienspiele eine wichtige Ergänzung der Kinderbetreuung während der Sommerferien, wenn die Schulen und zumindest zeitweise die Kindertagesstätten geschlossen sind. Berufstätigen Eltern reicht der Jahresurlaub häufig nicht, um eine durchgehende Betreuung ihrer Kinder sicherzustellen. Viele familienfreundliche Städte und Gemeinden bieten die Ferienspiele daher über die komplette Ferienzeit als bildungsorientierte Ganztagesprogramme an und sorgen so für Entlastung gestresster Eltern und für viel lehrreichen Spaß beim Nachwuchs. Bereits im letzten Jahr hatte die SPD-Fraktion in der Lindener Stadtverordnetenversammlung beantragt, die Ferienspiele über zwei Wochen, statt bisher eine Woche lang anzubieten und die Mittel dafür im Haushalt einzustellen. Damals wurde seitens des Bürgermeisters darauf verwiesen, dass die Jugendpflegerin der Stadt gerade erst ihre Stelle angetreten habe und man dieser zunächst die Chance geben wolle, sich einzuarbeiten. Im nächsten Jahr sei eine Verlängerung der Ferienspiele dann kein Problem. Diesem Argument folgte die SPD-Fraktion und zog den Antrag zurück. Im Protokoll der Stadtverordnetenversammlung vom 11. Februar 2020 steht wörtlich: „Herr Dr. Schütz [B90/Die Grünen] nimmt die Stadtverordnetenversammlung beim Wort, die Mittel im kommenden Jahr so vorzusehen.“

Dirk Schimmel

Wie vor Jahresfrist vereinbart, beantragte die SPD-Fraktion also, die Mittel für eine zweite Ferienspielwoche in den Haushaltsplan 2021 einzustellen. Diesem Antrag widersprach im Haupt- und Finanzausschuss (HFA) ein Vertreter der CDU vehement. Die Forderung nach einer zweiten Ferienspielwoche sei eine Überforderung der städtischen Jugendpflege und von der Verwaltung nicht leistbar. Diesem Argument schlossen sich der Bürgermeister und der CDU-Fraktionsvorsitzende an. Bei vier Ja-Stimmen, vier Nein-Stimmen und einer Stimmenthaltung fand der SPD-Antrag keine Mehrheit und es wird auch 2021 keine zweite Ferienspielwoche für Lindens Kinder geben. „Wir sind enttäuscht darüber, dass es für Kinder und Eltern auch in diesem Jahr kein erweitertes Ferienspiel-Angebot geben wird. Empörend ist es, dass sich Lindens CDU an die klare Absprache des letzten Jahres nicht erinnern mag“, zeigt sich SPD-Ausschussmitglied Dirk Schimmel verärgert.

SPD-Fraktionsvorsitzende Gudrun Lang hält die Argumente für vorgeschoben: „Eine zweite Woche Ferienspiele bedeutet für die Organisatoren nicht den doppelten Aufwand im Vergleich zu einer Woche. Diese zweite Woche wird von Lindens CDU nicht gewollt und daher verhindert. Eine Erklärung dafür kann ich nicht anbieten, es passt aber in das Bild, das ich über Jahrzehnte in Sachen Familienfreundlichkeit von dieser Partei gewonnen habe.“